Gewalt: Acht Kunstschaffende thematisieren das Phänomen
Kriege, rücksichtslose Präsidenten und erstarkende Postfaschisten… Es mangelt nicht an Nachrichten, welche das Abwenden von der Aktualität und den Rückzug ins Private begünstigen. Die Betreibenden des Kunstraums Milieu nutzen ihre persönliche Dringlichkeit fürs Gegenteil, wurden aktiv und kuratierten die sehenswerte Schau und die Gesprächsreihe unter dem Titel Gewalt. Acht Kunstschaffende thematisieren verschiedene Schattierungen dieses Phänomens: Beginnend mit Ivan Mitrović’ Leinwand, wo gar das Hoheitszeichen der Europäischen Union zu Hakenkreuzen mutiert. Über die massive Bodenplastiken aus Metall von Caterina De Nicola, die mit den «aufgebrochenen» Schweissnähten die Deformation aufnehmen und die brutale Materialität des Entstehungsprozesses im Ergebniss ausweisen. Oder das eindrückliche Video von Roman Selim Khereddine, welches die Ikonen der Unmenschlichkeit aus Abu Ghraib oder The Falling Man aus dem WTC thematisiert – ohne sie je konkret zu zeigen. Bis hin zur sehr persönlichen Video-Recherche von Inka Ter Haar, in der sie die Nuancen der Ausgrenzung der Pflegenden ihres AIDS-kranken Vaters auslotet. Sowie ihre Suche nach einer Ersatzfigur für den Verlust in der Jugend reflektiert. Die Auswahl zeigt, wie klug und differenziert das Thema behandelt werden kann, auch ohne auf brachiale, explizite oder oberflächliche Formulierungen zurückzugreifen!
Gewalt, Kunstraum Milieu, Bern, bis 7.6. https://milieu-digital.com