Karin Borer: Waghalsiges Drehmoment
Eine gehetzte Puppe rennt zu einem treibenden Beat im Kreis. Unterbrochen wird der Lauf von Szenen einer Turbinenmontage mit dumpfen Elektroklängen, rotbeerigen Stauden im Tag- und Nachtwechsel und tanzenden Lichtkegeln. Spin! Spin! Spin!, das neueste Video von Karin Borer (*1981), kombiniert Charaktere aus Jim Hensons nur scheinbar harmlosem Puppen-Universum mit Prozessen natürlicher und technischer «Kreisläufe» und verweist auf die elementare Dynamik des Zirkulären. Zwischen hypnotischer Faszination und latenter Bedrohung oszillieren die rhythmischen, rekombinierten Bilder vor unserem Blick – sie erhalten durch das gezeigte Fräsen eines Glasauges oder durch Kobolde, die sich die Augen ausstechen, eine weitere, fast schon groteske Metaebene. Nebenan vollführen die von Borer kreierten, lachenden Puppen in endlosen Schwüngen um Stangen an der Saaldecke ein so tollkühnes wie repetitives mechanisches Ballett. Es erinnert an die unausweichlichen gesellschaftlichen Hamsterräder unseres Alltags.
Karin Borer. Miracle Reverse, Kunstmuseum Solothurn, bis 1.1.2025
Beitrag in Kooperation mit Kunstbulletin