Minimal: Etikettenschwindel
Mit Begriffen ist es so eine Sache. Eigentlich erleichtern sie die Orientierung. Wenn also eine Ausstellung programmatisch Minimal heisst, erwartet man Minimal Art. Sonst ist es ein Etikettenschwindel. Dass die Pariser Schau im Privatmuseum des Grosssammlers Pinault ohne ein einziges Werk von Carl Andre auskommt und von Sol LeWitt nur eine kleine, wenn auch schöne Zeichnung zeigt, darf man so verstehen. Den Auftakt macht nicht einer der Heroen, sondern Meg Webster mit Öko-Allusionen. Von Agnes Martin und Lygia Pape gibt es superbe Räume, Robert Ryman wird im lauten Eingangsbereich verschenkt. Aber dafür gibt es «Minimal global»: Über hundert Werke rund um den Globus sollen in sieben Kapiteln Vielfalt zeigen. Genauigkeit geht anders.
Minimal, Bourse de Commerce, Paris, bis 19.1. Ausstellung und Katalog: Jessica Morgan mit Emma Lavigne.