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Andrin Uetz, 11.06.2025

Postkarte aus der Republik der Liebe: Wiener Festwochen

Ausrufung der Republik der Liebe am 16. Mai 2025 auf dem Rathausplatz in Wien. Foto: Inés Bacher

Zum zweiten Mal ist Wien im Rahmen der Festwochen unter der Leitung des Schweizer Theatermachers Milo Rau zur Freien Republik Wien erklärt worden. In diesem Jahr soll unter dem Motto V is for loVe die Donaumetropole zur Republik der Liebe werden. So gibt es neben Theaterproduktionen, Performances und Konzerten auch eine Wiener Erklärung, den breit aufgestellten Rat der Republik und das Haus der Republik als durchgehend geöffneter Ort für Begegnung und Austausch.
Da schwingt zwar viel Pathos mit und nicht alle Produktionen vermögen diese grossen Selbstansprüche einzulösen, doch es entsteht auch eine ansteckende Dringlichkeit. Man möchte Teil werden von dieser Republik der Liebe. Das gelingt beispielsweise bei Das letzte Jahr des Künstlerduos SIGNA fast schon beängstigend gut, wenn das Publikum in einer sechsstündigen Performance als Bewohner:innen eines dystopischen Altersheims ans Ende des eigenen Lebens geführt wird. Auch Itay Tirans Inszenierung von Shakespeares Königsdrama Richard III vermag als Kritik an Netanyahu zu erschüttern. Satoko Ichiharas Kitty wiederum dekonstruiert patriarchale Niedlichkeitsphantasien in ebenso grotesker wie präziser Weise. Aber auch bei kleineren und niederschweilligeren Produktionen oder auch einfach beim Flanieren durch die Stadt verschmelzen die Grenzen zwischen Kunst und Alltag in produktiver Weise, etwa wenn grossformatige Plakate daran erinnern, dass wir uns in der Republik der Liebe befinden. 

Freie Republik Wiener Festwochen, bis 29.6., diverse Standorte in Wien